Foodsharing in Oldenburg

Meine ersten Wochen als Essensretterin

0
Tonnen Lebensmittel werden weltweit jedes Jahr verschwendet.

Jeder von uns hat schon einmal davon gehört: Die riesengroße Lebensmittelverschwendung in Deutschland. Jährlich landen bundesweit etwa 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in der Tonne! Weltweit ist es sogar jedes dritte Lebensmittel. Für uns alle sind das kaum vorstellbare Mengen. Und doch trägt jeder von uns im mit durchschnittlich etwa 82 kg weggeworfenen Lebensmitteln pro Jahr dazu bei.
Das schlimme daran: Häufig sind die Lebensmittel noch genießbar. Doch ist das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten oder kein Platz mehr im Regal, sehen sich viele Betriebe dazu gezwungen, selbst Dinge wegzuwerfen, die noch vollkommen genießbar wären. Das liegt oft an strengen gesetzlichen Regulierungen, aber auch daran, dass es kaum Alternativen zur Tonne gibt.

Foodsharing hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Wahnsinn zu stoppen. Ziel ist es, Lebensmittel vor der Tonne zu retten und so die Anzahl der grundlos weggeworfenen Lebensmittel zu verringern.
Wir kümmern uns also um alle Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können, aber noch genießbar sind. Sobald ein Betrieb uns seine “Abfälle” aushändigt, verpflichten wir uns als sogenannte Foodsaver dazu, diese entweder selbst zu verbrauchen oder unentgeltlich an Freunde, Nachbarn, Suppenküchen, Tafeln oder ähnliche Betriebe zu verteilen. Es soll also nichts unverzehrt bleiben, was noch genießbar ist! All das geschieht außerdem auf rein ehrenamtlicher Basis.

So wirst du zum Foodsaver

Vielleicht fragst du dich jetzt: Wie kann ich helfen, diese Unmengen an Lebensmitteln zu retten?
Ganz einfach: Du musst einfach nur Mitglied bei Foodsharing werden. Vielleicht gibt es gleich bei dir nebenan einen Partnerbetrieb, der seine unverkäuflichen Lebensmittel an Foodsharing spendet.

Was du dafür tun musst:

  • Werde Mitglied des Netzwerks unter www.foodsharing.de
  • Nimm an drei Probeabholungen teil
  • Beantworte die Fragen des Einsteigerquiz
  • Erhalte deinen Foodsharing Ausweis
  • Rette, verteile und verzehre Lebensmittel!

Meine bisherigen Erfahrungen

Ich bin nun seit Anfang Oktober Teil des Foodsharing Netzwerks in Oldenburg und habe bisher viele positive, aber auch ein paar negative Erfahrungen machen dürfen.

Zunächst ist zu sagen, dass die Community im Raum Oldenburg von einigen wenigen sehr engagierten Foodsavern verwaltet und organisiert wird. Die meisten Mitglieder sind reine Foodsaver und holen hier und da Lebensmittel ab. Dazu gehöre bislang auch ich.
Wenn man das Foodsharing-Quiz abgeschlossen hat, hat man bereits einen guten Eindruck von dem, was von einem erwartet wird: Es geht darum, die Lebensmittel wirklich vor der Tonne zu bewahren. Und darunter versteht ein richtiger Foodsaver nicht, dass man die Lebensmittel mit nach Hause nimmt, und dann mal schaut, ob sie in den Speiseplan passen oder nicht. Nein, hat man ein Nahrungsmittel einmal angenommen, ist man persönlich dafür verantwortlich, dass es auch verzehrt wird.

Nun ist das bei einigen Läden kein großes Problem, da die Mengen relativ gering sind. Allerdings war ich gerade am Wochenende erst bei einer Abholung, bei der unvorstellbar viele Lebensmittel, hauptsächlich Obst und Gemüse, bereitgestellt wurden. Jeder der 10 anwesenden Abholer (bei anderen Betrieben sind es meist eher 2-3) konnte sich erst einzeln Lebensmittel aussuchen, musste am Ende aber mehrere Kisten mit z.B. Salatköpfen, Trauben, Blattspinat usw. einpacken. Anders hätten wir die Mengen an Frischware gar nicht stemmen können.

Meine Ausbeute vom Wochenende

Die meisten Foodsaver, mit denen ich bisher zu tun hatte, sind wirklich sehr höflich und engagiert gewesen. Es wird immer darauf geachtet, dass niemand zu kurz kommt und alle etwas von dem, was sie gerne verzehren würden, bekommen. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Leute, die sich schnell die schönsten Lebensmittel selbst einstecken und dann aber nicht bereit sind, die Sachen, die in riesigen Mengen vorhanden sind, mitzunehmen und weiterzuverteilen. Man muss sich immer wieder im Hinterkopf behalten: Foodsharing ist nicht der Wocheneinkauf umsonst, Foodsharing ist eine ehrenamtliche Tätigkeit und kann auch anstrengend sein. Nach besagter Monsterabholung habe ich zum Beispiel mehr als zwei Stunden in der Küche gestanden und eine ganze Kiste Blattspinat geputzt und gedünstet. Ich habe mich aber auch schon mit Freundinnen aus der Uni getroffen, die ebenfalls gerettete Lebensmittel verwerten wollten, und wir haben zusammen aus den Sachen ein leckeres Abendessen gezaubert.

Foodsharing, oder “Essensretter” sein kann also auch viel Zeit erfordern, aber für mich überwiegt definitiv der Spaßfaktor!

Ich freue mich, dass du meinen Beitrag gelesen hast. Hinterlass mir gerne einen Kommentar, wenn er dir gefallen hat. Ich freue mich über jede Art von Feedback!

3 Kommentare

  • Sehr gute Initiative. An wen gibt man denn so große Mengen typischerweise weiter? Immer nur an Freunde? Privatleute? Oder auch an Kindergärten oder ähnliches?

    • Danke:) Das bleibt ganz dir überlassen.
      Es gibt auch einen sogenannten ‚Fairteiler‘ an der Uni, wo man übrige Lebensmittel abstellen und/oder gegen neue tauschen kann!

Schreibe einen Kommentar