Nachhaltiger Dezember

Geht das überhaupt?

Nachhaltiger Dezember – ausgerechnet der Monat, in dem Weihnachten und Silvester liegen? Schließt sich das nicht schon aus? Wie soll man bitte Konsum und hohe Feinstaubbelastung in einen grünen Kontext bringen?

Naja, vielleicht sollte man auch lieber sagen: Ein nachhaltigeres Weihnachten und Silvester – das war dieses Jahr mein Plan. Wie das geklappt hat würde jetzt natürlich jeder anders beurteilen, aber ich war schon ganz zufrieden.

Das Konsumfest schlechthin

…ist Weihnachten. Daran gibt es auch erstmal nichts zu rütteln. Jedes Jahr fangen Menschen bereits Monate vorher an, Unmengen an Geld für weihnachtliche Dekoration, Geschenke, Verpackungen und natürlich massenweise Essen auszugeben. In einer Studie des Deutschen Handelsverbands wurden in 2018 Ausgaben von ganzen 472€ pro Kopf allein für Geschenke ermittelt. Dabei tendieren die meisten zu gleichen oder höheren Ausgaben als im Vorjahr. Ja, süßer die Kassen nie klingen und so.

Natürlich hat Weihnachten auch Tradition, und ich mag es im Prinzip auch sehr, anderen etwas zu schenken. Deshalb hat für mich in diesem Jahr eher das Was eine Rolle gespielt. Ich wollte nichts kaufen müssen, und schon gar nichts, was der Beschenkte dann am Ende gar nicht braucht.

Super schön finde ich es immer, Zeit zu verschenken. Also eine gemeinsame Aktivität. Geht aber oft auch nach hinten los, wenn man keine konkreten Termine bereithält – dann gerät so ein Gutschein schnell mal in Vergessenheit. Meiner Familie habe ich deshalb (mit vorheriger Ankündigung des Datums, damit auch wirklich alle Zeit haben) eine gemeinsame Tour durch die Frankfurter Szene geschenkt, die wir auch gleich am 27.12. einlösen konnten. Sowas verbindet irgendwie auch.

Für meine Freundinnen bin ich sogar richtig kreativ geworden und habe aus einer Secondhand Gardine Gemüsesäckchen genäht. Außerdem habe ich die vorweihnachtlichen Vorlesungen genutzt, um nebenbei waschbare Baumwoll-Abschminkpads zu häkeln, die ich schon häufig bei Instagram gesehen hatte. Abchminken und Einkaufen – das macht doch irgendwie jeder. Also vielleicht kein Rumliegegeschenk. Am Ende habe ich die Pads dann auf einer Seite noch mit etwas weicherem Baumwollstoff benäht und für meine Säckchen sogar kleine Aufnäher drucken lassen. Das war aber auch schon alles, was ich für meine Geschenke aktiv “konsumiert” habe. Die Nähmaschine habe ich von einer Nachbarin geschenkt bekommen, die sich eine neue zugelegt hatte – richtiger Sharing Economy Charakter also.

Was mir dieses Weihnachten außerdem extrem aufgefallen ist, war, dass viele scheinbar mittlerweile auch wissen, wie ich denke und womit man mir unter anderem eine Freude machen kann. Von einer Freundin habe ich zum Beispiel selbstgemachte Bienenwachstücher bekommen, die ich jetzt täglich verwende – etwas, worüber ich auch schon seit Ewigkeiten nachgedacht habe. Hier mal eine Sammlung meiner “nachhaltigen Weihnachtsgeschenkekollektion”:

Da ich hier keine Werbung machen möchte, gehe ich aber auch nicht näher auf die Produkte ein. Aber ich finde es einfach cool, wenn die Leute um einen herum sich Gedanken machen.

Nun aber zum Jahreswechsel

Das ist ja auch immer so ne Sache. Klar freut man sich auf Silvester, ich persönlich allein schon wegen der vielen Freunde, die man den Rest des Jahres vielleicht weniger auf einem Fleck hat und dem leckeren Essen.

Aber: wenn man dabei an die Umwelt denkt, wird Silvester doch schnell zu einem unerfreulichen Datum: die Menge an Feinstaub, die in dieser einen Nacht durch Feuerwerke und Co. freigesetzt wird, entspricht mehr als 15% der Menge, die durch Straßenverkehr während des kompletten restlichen Jahres ausgestoßen wird. Das finde ich komplett verrückt. Und dann stehe ich um 0 Uhr da und halte mir die Ohren zu – das kann’s ja irgendwie auch nicht sein.

Die Entscheidung, ob ich nochmal in Feuerwerkskörper investieren möchte, hatte ich nach dieser Erkenntnis schnell gefällt und zum Glück wurde sie auch meinen Mitfeierern abgenommen. Da wir Silvester auf Sylt verbracht haben und dort viele Häuser mit Reetdächern stehen, mussten wir so oder so auf das Geböller verzichten. Der Stimmung hat das überhaupt nicht geschadet, im Gegenteil, als wir um Mitternacht mit brennenden Wunderkerzen (die hatten es dann doch auf die Insel geschafft) im Garten standen, habe ich absolut nichts vermisst. Und ich glaube, sonst auch niemand.

Mein Fazit

Mein Fazit aus dem Dezember lässt sich in einen Satz fassen: Es gibt so so so so viel, worauf wir verzichten können, ohne einen Verzicht zu spüren!

Was ich deshalb versuche zu tun: Bei jedem Kauf nochmal darüber nachdenken, ob man in einer Woche oder einem Monat wirklich zurückdenken würde und sich ärgern, dass man den Gegenstand nicht gekauft hat. Viele Dinge lasse ich dann liegen oder drücke einfach nicht auf “bestellen” und denke nie wieder daran zurück. Ich bin dadurch weder glücklicher, noch unglücklicher. Nur etwas vermögender vielleicht 🙂

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1 Kommentar

  • Bin endlich dazu gekommen Deinen Beitrag zu lesen! Stimmt mal wieder zum Nachdenken an 🙂
    Schön geschrieben, wie immer!

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